Ein Unternehmen zu gründen ist aufregend und inspirierend. Immer mehr junge Menschen tragen den Wunsch in sich, etwas Eigenes aufzubauen. Laut dem Student Entrepreneurship Monitor 2025 kann sich jeder fünfte Studierende in Deutschland vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen (Gilde et al. 2025). Tatsächlich lassen sich in Deutschland derzeit rund 23.000 Startups identifizieren (startupdetector 2025). Doch diese Zahl geht zurück, denn die Gründung eines Startups ist häufig auch ein Sprung ins Ungewisse.
Startups sind junge Unternehmen mit einem Alter von weniger als zehn Jahren. Sie bringen neue Technologien und Geschäftsmodelle hervor und verfolgen meist ehrgeizige Wachstumsziele. Damit unterscheiden sie sich deutlich von klassischen Existenzgründungen und haben zugleich eine besondere Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft (vgl. Metzger 2023, Sternberg et al. 2024).
Wer ein Unternehmen aufbauen möchte, steht von Anfang an vor vielen Entscheidungen. Es geht um Produktentwicklung, Preisgestaltung, Marketing, Finanzierung und die Zusammensetzung des Teams. Manche Entscheidungen führen zum Erfolg, andere können teuer werden. In der realen Gründungssituation ist Lernen durch Ausprobieren selten eine gute Idee.
Bemerkenswert ist, dass 87 % aller Startup Gründerinnen und Gründer einen akademischen Hintergrund haben. Das zeigt deutlich, wie wichtig Hochschulen für die Förderung unternehmerischen Denkens sind. Sie vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern auch die Fähigkeiten, die es braucht, um Ideen in tragfähige Geschäftsmodelle zu verwandeln. Aus diesem Grund bietet die Duale Hochschule Baden Württemberg ihren Studierenden immer wieder die Möglichkeit, im Rahmen von Planspielen unternehmerische Erfahrungen zu sammeln.
Gründen ohne Risiko: Lernen durch Simulation
In einem Planspiel wird die Realität einer Unternehmensgründung nachgestellt. Die Teilnehmenden übernehmen die Rolle von Gründenden und treffen alle Entscheidungen, die auch im echten Leben anfallen würden. Sie entwickeln eine Geschäftsidee, kalkulieren Kosten, planen Investitionen und treffen Entscheidungen, die unmittelbare Auswirkungen haben. Dabei müssen sie wie im echten Wirtschaftsleben mit Unsicherheiten umgehen, auf Konkurrenz sowie Marktveränderungen reagieren und Chancen erkennen.
Das Besondere an diesem Lernformat ist der geschützte Raum. Hier dürfen Fehler passieren und sie sind sogar ausdrücklich erwünscht. Denn wer einmal erlebt hat, wie schnell eine falsche Preisstrategie den Gewinn schmälert oder wie riskant eine zu hohe Fremdfinanzierung sein kann, der versteht wirtschaftliche Zusammenhänge viel tiefer. Lernen im Planspiel bedeutet, Erfahrungen zu sammeln, ohne reale Verluste zu riskieren. Und genau das macht es so wertvoll.
Komplexität begreifen statt nur darüber zu lesen
Komplexität lässt sich nicht nur theoretisch begreifen, sie muss erlebt werden. In einem Planspiel wird deutlich, dass ein Unternehmen nur dann erfolgreich sein kann, wenn alle Bereiche aufeinander abgestimmt sind. Eine innovative Produktidee verliert an Wirkung, wenn das Marketing nicht greift. Eine solide Finanzierung bringt wenig, wenn die Produktion nicht funktioniert. Und selbst das motivierteste Team kann scheitern, wenn die Strategie unklar bleibt.
Diese Zusammenhänge in einer Simulation zu erleben lässt sich in keiner Vorlesung und in keinem Buch in gleicher Intensität nachvollziehen. Wer in der Simulation miterlebt, wie sich einzelne Entscheidungen gegenseitig beeinflussen, versteht, was unternehmerisches Denken wirklich bedeutet. Es geht nicht nur darum, isolierte Probleme zu lösen, sondern das große Ganze im Blick zu behalten. Genau dieses Denken ist es, das erfolgreiche Gründerinnen und Gründer auszeichnet.
Teamarbeit als Erfolgsfaktor
Teamarbeit ist einer der wichtigsten Bausteine für den Erfolg eines Startups. Die meisten Gründungen entstehen im Team. Laut einer aktuellen Studie von Hirschfeld und Kolleginnen und Kollegen aus dem Jahr 2025 wurden fast acht von zehn Startups von zwei oder mehr Personen gegründet, nur ein kleiner Teil sind echte Solo-Unternehmen (Hirschfeld et al., 2025). Diese Zahlen zeigen, wie zentral das Zusammenspiel im Team ist. Viele junge Unternehmen scheitern nicht an ihrer Idee, sondern daran, dass die Zusammenarbeit nicht funktioniert. In Planspielen wird genau das sichtbar. Die Teilnehmenden müssen gemeinsam Strategien entwickeln, Entscheidungen treffen und Konflikte lösen. Sie erleben, wie anspruchsvoll es ist, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und gleichzeitig Verantwortung zu teilen. Ein Planspiel bietet dafür den idealen Rahmen. Es ist ein geschütztes Lernumfeld, in dem man ausprobieren darf, wie man als Team funktioniert. Man erkennt, wie wichtig Vertrauen, Offenheit und klare Kommunikation sind, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Wer diese Erfahrung in der Simulation macht, wird später im echten Startup-Alltag davon profitieren.
Erfahrungen, die bleiben
Erfahrungen prägen stärker als jede Theorie. Genau darin liegt die besondere Stärke von Planspielen. Sie verbinden Wissen mit Erleben und machen wirtschaftliche Zusammenhänge greifbar. Die Teilnehmenden merken, wie Zahlen, Strategien und Entscheidungen miteinander verbunden sind. Sie spüren, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen und mit den Folgen des eigenen Handelns umzugehen.
Dieses Lernen durch Erfahrung wirkt tief. Wer in der Simulation erlebt, wie eine unklare Strategie das ganze Unternehmen ins Wanken bringt oder wie eine kluge Investition Wachstum ermöglicht, versteht betriebswirtschaftliche Prinzipien auf einer ganz neuen Ebene. Solche Erlebnisse bleiben im Gedächtnis und verändern die eigene Sicht auf Unternehmertum. Denn wer einmal ein virtuelles Unternehmen geführt hat, trifft spätere Entscheidungen mit mehr Weitblick und Bewusstsein. Genau das macht Planspiele zu einem so nachhaltigen Instrument der Gründungslehre.
Fazit
Planspiele sind weit mehr als ein Spiel. Sie bieten ein realistisches Trainingsfeld für Unternehmertum, in dem Lernen durch Handeln im Vordergrund steht. Die Teilnehmenden können Entscheidungen treffen, Risiken eingehen, Fehler machen und dass alles ohne die Folgen einer echten Unternehmensgründung tragen zu müssen.
Gerade dieser geschützte Raum macht den Unterschied. Wer in der Simulation erlebt, wie sich Entscheidungen auswirken, entwickelt ein Gespür für Zusammenhänge, Abläufe und strategische Verantwortung. Für alle, die gründen wollen, ist das eine unschätzbare Gelegenheit. Wer hier unternehmerisches Denken trainiert, startet später mit klaren Vorteilen in die reale Gründung.
Quellen:
- Hirschfeld, A.; Gilde, J.; Walk, V. (2025). Deutscher Startup Monitor 2025. Berlin: Bundesverband Deutsche Startups e.V.
- Metzger, G. (2023): KfW-Gründungsmonitor 2023.
- startupdetector (2025): Startup-Datenbank
- Sternberg, R., Gorynia-Pfeffer, N., Stolz, L., Schauer, J., Baharian, A., & Wallisch, M. (2024). Global Entrepreneurship Monitor. Unternehmensgründungen im weltweiten Vergleich: Länderbericht Deutschland 2023/24.
- Walk, V., Hirschfeld, A.; Gilde, J. (2025): Student Entrepreneurship Monitor 2025. Berlin: Bundesverband Deutsche Startups e.V.



