Die Winterzeit hat zwei Seiten. Auf der einen Seite erleben wir klare Morgenluft, Spaziergänge durch frostige Landschaften, Kerzenschein und Ruhe. Auf der anderen Seite reagiert unsere Haut in dieser Jahreszeit besonders sensibel. Spannungsgefühle, trockene Stellen, Rötungen oder aufgerissene Fingerkuppen gehören für viele Menschen zum Alltag, sobald die Temperaturen fallen.
Doch was passiert eigentlich genau mit unserer Haut im Winter – und wie können wir sie wirksam unterstützen?
Warum die Haut im Winter “unter Stress” gerät
Die Haut ist unser größtes Organ und gleichzeitig unsere wichtigste Schutzbarriere. Sie hält Feuchtigkeit im Körper, schützt vor Mikroorganismen und reguliert Temperatur und Berührungsempfindungen. Doch im Winter steht sie vor gleich mehreren Herausforderungen.
1. Reduzierte Talgproduktion
Bei Temperaturen unter etwa 8–10°C fährt die Haut die Talgproduktion deutlich herunter. Der natürliche Lipidfilm, der sie geschmeidig hält, wird dünner. Feuchtigkeit verdunstet schneller – ein Effekt, der sich besonders im Gesicht und an den Händen zeigt.
2. Trockene Luft durch Heizungen
Während draußen Kälte herrscht, wird drinnen geheizt. Warme Luft kann jedoch nur wenig Feuchtigkeit binden. Studien zeigen, dass die relative Luftfeuchte in Innenräumen im Winter oft auf unter 30% sinkt – ein Niveau, das die Haut spürbar belastet.
3. Gestörte Hautbarriere
Fehlen Lipide und Feuchtigkeit, werden die sogenannten cornealen Lipide – ein Bestandteil der Hautbarriere – weniger stabil. Mikrorisse entstehen schneller, die Haut wird empfindlicher und reagiert stärker auf Reibung, Temperaturwechsel oder Duftstoffe.
4. Häufigeres Waschen
Nicht zuletzt hat der Winter auch hygienische Konsequenzen: Durch Erkältungszeit und trockene Schleimhäute waschen wir häufiger Hände oder greifen zu Desinfektionsmitteln. Dies löst die hauteigenen Fette zusätzlich.
5. UV-Strahlung als unterschätzter Einfluss
Auch wenn Wintersonne milder wirkt, erreichen UVA-Strahlen ungefiltert die Haut – auf Bergen sogar verstärkt. UVA dringt tief in die Dermis ein, fördert oxidative Prozesse und beschleunigt Hautalterung.
Die Kombination aus trockener Luft, Kälte und mildem UV-Stress erklärt, warum unsere Haut im Winter so viel empfindlicher ist.
Welche Hautbilder treten im Winter besonders auf?
Viele dermatologische Symptome sind saisonal verstärkt:
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Trockene, schuppige Haut
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Rauhe Hände und eingerissene Nagelränder
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Rötungen und Reizungen im Gesicht
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Ekzeme, besonders bei Neurodermitikern
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Juckreiz (“Winter itch”)
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Spröde Lippen und Risse
Menschen mit vorgeschädigter Hautbarriere – z. B. Neurodermitis, Psoriasis, Rosazea – erleben oft ausgeprägte Verschlechterungen.
10 Strategien für gesunde Haut im Winter
Nachfolgend konkrete Maßnahmen, die sofort helfen und wissenschaftlich gut begründet sind.
1. Pflege anpassen: reichhaltiger und barriereorientiert
Sommercremes enthalten oft mehr Wasser und weniger Lipide. Im Winter braucht die Haut dagegen “Nahrung”.
Gute Inhaltsstoffe:
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Ceramide – stabilisieren die Barriere
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Glycerin, Hyaluronsäure – binden Wasser
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Squalan, Jojoba- oder Avocadoöl – ergänzen Lipide
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Panthenol oder Niacinamid – beruhigen Reizungen
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Urea (5–10%) – feuchtigkeitsspendend, ideal für Hände und Beine
Bei sehr trockener Haut können Produkte mit Okklusiva wie Petrolatum oder Sheabutter sinnvoll sein, um Wasserverlust zu verringern.
2. Milde Reinigung statt “zu sauber”
Zu intensive Reinigung irritiert eine ohnehin geschwächte Hautbarriere.
Empfehlenswert:
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Syndets oder cremige Reinigungsmilch fürs Gesicht
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rückfettende Duschöle
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kein heißes Wasser – lauwarm reicht völlig
Für das Gesicht gilt „morgens weniger ist mehr“: häufig genügt Wasser oder ein sehr mildes Produkt.
3. Feuchtigkeit in Schichten aufbauen (“Skin Layering”)
Das Prinzip:
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Serum (z. B. Hyaluron)
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Feuchtigkeitscreme
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Fettreichere Schutzschicht oder Balm
So kann die Feuchtigkeit „eingeschlossen“ werden, ohne die Poren zu überlasten.
4. Hände und Lippen als Problemzonen behandeln
Hier fehlen Talgdrüsen oder sie sind weniger aktiv.
Für Hände:
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milde Seifen und pH-hautneutrale Formulierungen
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danach innerhalb von 2 Minuten cremen
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Baumwollhandschuhe über fetthaltiger Creme nachts als Mini-Kur
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draußen Handschuhe tragen – Wolle außen, Baumwolle innen
Für Lippen:
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wachshaltige Balms (Sheabutter, Bienenwachs)
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keine Gewohnheit, mit der Zunge zu befeuchten – das trocknet erst recht aus
5. Vitamin- und Fettsäurehaushalt von innen unterstützen
Gerade im Winter fehlt häufig eine ausgewogene Versorgung.
Wichtig sind:
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Omega-3-Fettsäuren (Lachs, Walnüsse, Leinsamen) – wirken antientzündlich
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Vitamin A / Beta-Carotin – Regeneration von Zellen und Schleimhäuten
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Vitamin C – kollagenstabilisierend
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Vitamin E & Zink – antioxidativ, reparaturfördernd
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Ausreichend Flüssigkeit – 1.5–2 Liter täglich, je nach Bedarf
6. Verhältnis Wärme zu Feuchtigkeit ausgleichen
Luftfeuchtigkeit von 40–50% wirkt sich positiv aus – für Haut, Augen und Atemwege.
Praktische Wege:
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Luftbefeuchter
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Wasserschalen oder feuchte Tücher auf Heizkörpern
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Zimmerpflanzen wie Einblatt oder Monstera
7. Kleidung schützt – aber richtig
Reibung und Kälte können die Haut zusätzlich strapazieren.
Tipps:
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Schals aus soften Materialien im Gesicht einsetzen
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Wolle nur als äußere Schicht, darunter Baumwolle
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Funktionskleidung bei Outdoor-Sport
8. UV-Schutz bleibt Pflicht
Auch im Winter gilt:
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LSF 30 im Gesicht an sonnigen Tagen
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lippenfreundliche Filter bei Wintersport
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bei Schnee oder Bergen: Reflektion erhöht Strahlenbelastung
UVA-Aging kennt keine Jahreszeiten.
9. Stressreduktion & Schlaf
Haut regeneriert nachts. Unruhe, Schlafmangel und Stress erhöhen Cortisol, das wiederum Entzündungsprozesse fördert. Schon 20 Minuten tägliche Bewegung oder ein Spaziergang wirken regulierend.
10. Fachliche Hilfe bei wiederkehrenden Beschwerden
Wenn trotz guter Pflege Symptome anhalten:
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Dermatologische Beratung
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Allergietest oder Analyse der Hautbarriere
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Verordnungen wie medizinische Cremes, z. B. bei atopischen Ekzemen
Frühzeitiges Handeln kann spätere Verschlechterungen vermeiden.
Fazit
Der Winter stellt die Haut vor besondere Herausforderungen. Doch mit einer gut durchdachten Pflege, ein paar Anpassungen im Alltag und einer bewussten Handhabung von Kälte, Heizungsluft und Reinigung lässt sich die Haut effektiv schützen. Barrierepflege, milde Reinigung, ausreichend Feuchtigkeit, Ernährung und Sonnenschutz gehören dabei zu den wichtigsten Bausteinen.
Besonders empfindliche Hauttypen profitieren in dieser Jahreszeit von Aufmerksamkeit und Vorsorge. Und sollte die Haut doch einmal aus dem Gleichgewicht geraten, ist professionelle Unterstützung kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein sinnvoller Schritt zu nachhaltiger Gesundheit.
So wird die kalte Jahreszeit nicht nur zur Belastung, sondern zur Chance für bewusste Selbstfürsorge – und zu einem Kapitel, das der Haut hilft, gestärkt in den Frühling zu gehen.



